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Endokarditisprophylaxe 2017-12-22T15:18:22+00:00

Was ist eine Endokarditis?

Spricht der Mediziner von einer Endokarditis meint er damit die Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard). Die Erkrankung wird durch Bakterien verursacht. Sie bringt in der Regel eine hohe Sterblichkeitsrate (Mortalität) mit sich. Insbesondere Patienten, die gewisse Risikofaktoren aufweisen, neigen bei dem Übertritt von Bakterien in die Blutlautbahn zu der Ausbildung einer Endokarditis. Besonders risikoreich sind bei den Betroffenen daher verschiedene zahnärztliche Eingriffe, bei denen Bakterien ins Blutgefäßsystem eintreten können.

Die sogenannte transitorische Bakteriämie bezeichnet ebendieses kurzweilige Vorhandensein von Bakterien im Blutkreislauf.
Mithilfe einer vorbeugenden Gabe von Antibiotika (Endokarditisprophylaxe) kann ein bakterieller Befall der Herzinnenhaut bei Risikopatienten verhindert werden.

Risikogruppen

Als Risikogruppen gehören vorwiegend Personen mit:

  • Herzfehlern
  • Herzfehlbildungen
  • Herzklappenerkrankungen

An Engstellen im Herzen können Blutgerinsel (Thromben) entstehen, welche sich auf der Innenhaut auflagern und so Angriffsfläche für die Bakterien bilden. Diese Bakterien können eine Endokarditis hervorrufen.

Vorgehen

Die Art der Endokarditisprophylaxe hat sich in den letzten Jahren verändert. Inzwischen wird bei Patienten, die in die genannte Risikogruppe fallen, nur noch in seltenen Fällen Antibiotika verabreicht. Die Empfehlungen unterschiedlichster Fachgesellschaften besagten, dass die vorher routinemäßig gegebenen Antibiotika aus unterschiedlichen Gründen ihren Effekt verfehlen könnten.

Hinzu kommt, dass die bisherige Vorgehensweise bei der Endokarditisprophylaxe sich möglicherweise als wenig sicher erweist. Experten gehen davon aus, dass bereits bei täglicher Zahnpflege und dem Kauen bei der Nahrungsaufnahme Bakterien ins Blutgefäßsystem gelangen, welche eine Endokarditis auslösen können. Anhand dieser Vermutungen ist die Gabe von Antibiotika bei Risikopatienten im Zeitraum von zahnärztlichen Untersuchungen wenig sinnig, da nur einem kleinen Teil der Bakteriämien vorgebeugt wird. Von einer dauerhaften Antibiotikaeinnahme ist selbstverständlich abzusehen.

Neue Methodik

Um einer infektiösen Endokarditis vorzubeugen, gelten folgende Behandlungen als sehr zielführend:

  1. Gute Mundhygiene
  2. Regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchungen
  3. Versorgung mit Füllungen und die Erhaltung der Beschwerdefreiheit der Zähne
  4. Regelmäßige Kontrolle des vorhandenen Zahnersatzes

Auch, wenn die Zahnpflege selbst einen Risikofaktor bei der Entstehung einer Bakteriämie bildet, ist es umso wichtiger, gewissenhaft vorzugehen und den Mundraum möglichst gesund zu halten. Eine reduzierte Anzahl von Keimen in der Mundhöhle sowie eine entsprechende Mundhygiene kann demnach einer Endokarditis ebenso vorbeugen. Dafür ist die regelmäßige professioenlle Zahnreinigung unumgänglich!

Inzwischen empfehlen Experten die Prophylaxe nur noch bei Hochrisikopatienten, bei der eine Endokarditis vermutlich tödlich enden würde.

Hochrisiko Patienten

  • Patienten mit Herztransplantation
  • Patienten mit Herzklappenschäden
  • Patienten mit biologischem oder mechanischem Herzklappenersatz
  • Patienten mit rekonstruierten Herzklappen aus synthetisch hergestelltem alloplatischem Material
  • Patienten, welche von Geburt an zyanotische Herzfehler haben
  • Patienten, die bereits eine Endokarditis hatten

Allgemein fallen Patienten in diese Gruppe, deren Herzfehler operativ über Prothesen behandelt wurden, solange die Prothese nicht gänzlich vom Körper angenommen und von Endokard überzogen wurde. In der Regel dauert dieser Prozess ebenfalls sechs Monate.

Endokarditisprophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen

Empfohlen wird eine vorbeugende Antibiotikabehandlung bei oben genannten Risikopatienten bei einer Vielzahl von zahnärztlichen Behandlungen:

  • Alle Eingriffe, die das Zahnfleisch (Gingiva) betreffen (PZR; Zahnstein Entfernung)
  • Behandlunge der Zahnwurzelspitzen (WSR = Resektion der Wurzelspitzen)
  • Intraligamentären Anästhesie (ILA)
  • Eingriffe mit einer Perforation der Mundschleimhaut (oralen Mukosa) (Biopsien, Implantate, Knochenaufbauten etc.)
  • Befestigung von Bändern für kieferorthopädische Apparaturen

Antibiotikagabe

In der Regel zielen die Antibiotika, welche bei zahnärztlichen Eingriffen verabreicht werden, auf Streptokokken der Viridans-Gruppe ab.

Einnahme:

– eine halbe Stunde bis Stunde vor dem eigentlichen Eingriff

Ist dies nicht der Fall, empfehlen Experten eine nachträgliche Einnahme bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff.

Sind Abszesse im Mund beteiligt, müssen Patient und Mediziner zudem damit rechnen, dass noch andere Arten von Streptokokken beteiligt sind. Daher wird in diesen Fällen entweder ein staphylokokkenwirksames Penicillin oder Cephalosporin empfohlen. Leidet der Patient unter einer ß-Laktam-Allergie können auch Clindamycin oder Vancomycin gegeben werden.

Komplikationen bei einer Endokarditisprophylaxe

Der Grund für den weitestgehenden Verzicht auf eine prophylaktische Gabe von Antibiotika trotz der Gefahr einer auftretenden Endokarditis sind die schweren allergischen Reaktionen, welche verschiedene Antibiotika auslösen können. Ein ausgelöster, anaphylaktischer Schock kann im schlimmsten Fall tödlich enden, weshalb ein Paradigmenwechsel als nötig erachtet wurde. Zudem wird so die Entstehung einer Resistenz möglichst gering gehalten.

Sollten Bedenken für die Einnahme eines Antibiotikums bestehen, sollte uunbedingt vorher eine Untersuchung auf Unverträglichkeit erfolgen!