Frühgeburten durch Paradontitis

Medizinische Studien ergaben einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen des Zahnfleisches und einem verstärkten Risiko von Frühgeburten. Außerdem leiden neugeborene Kinder deswegen häufig unter einem zu geringen Geburtsgewicht.

Nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler werden Frühgeburten von denselben Bakterien verursacht, die auch für Erkrankungen des menschlichen Zahnfleisches verantwortlich sind. Darüber hinaus rufen sie bei neugeborenen Babys Untergewicht hervor.

Störungen im Blutkreislauf durch Bakterien

Dr. Matthias Folwaczny, der als Oberarzt an der Münchener Universitätszahnklinik tätig ist, vertritt die Auffassung, dass in erster Linie Endotoxine die Zahnfleischentzündungen verursachen. Bei Endotoxinen handelt es sich um schädliche Anteile von Bakterienzellen. Ebenfalls verantwortlich für die Zahnfleischprobleme sind Zytokine. Diese Signalstoffe werden vom körpereigenen Immunsystem, das für die Abwehr des Organismus sorgt, hergestellt, um gegen schädliche Bakterien zu kämpfen. Da diese Stoffe bis in den Blutkreislauf der Mutter gelangen, können sie auch die Blutversorgung der Plazenta (Mutterkuchen) in Mitleidenschaft ziehen, sofern ihre Konzentration hoch genug ausfällt. Ist das der Fall, hat dies schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Ungeborenen zur Folge. Bemerkbar macht sich dies nicht selten durch frühzeitige Wehen, die wiederum eine Frühgeburt zur Folge haben können. Durch die Frühgeburt verzögert sich bei den meisten Kindern deren physische Entwicklung. Ferner reagieren sie überaus anfällig auf Krankheiten.

Achtfaches Risiko durch Zahnkrankheiten

Forschungen an der amerikanischen Chapel Hill Universität im US-Bundesstaat North Carolina, die von Professor Steven Offenbacher durchgeführt wurden, und sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Verlauf einer Schwangerschaft und Erkrankungen des Zahnfleisches befassten, führten zum Durchbruch der Studien. Laut Professor Offenbacher lagen bei Frauen, bei denen es zu einer Frühgeburt kam oder deren Kinder unter Untergewicht litten, erhebliche Zahnfleischerkrankungen vor. So fiel die Gefahr, eine Frühgeburt zu erleiden oder ein untergewichtiges Baby auf die Welt zu bringen, bei diesen Frauen acht Mal höher aus als bei Frauen, deren Zähne gesund waren. Nach Ansicht von Steven Offenbacher besteht zudem ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Abwehrstoffen des Immunsystems sowie den toxischen Bakterienstoffen und dem negativen Schwangerschaftsverlauf.
Zwei Jahre später ließen sich die Forschungsresultate der Chapel Hill Universität durch die Professorin für Oral-Biologie Ananda P. Dasanaya bestätigen. Die Zahnmedizinerin nahm an der Birminghamer Zahnklinik der University of Alabama entsprechende Untersuchungen an insgesamt 55 Schwangeren vor. Die Studie wurde doppelt als Fallgruppe und Kontrollgruppe angelegt. Die Studienresultate führten zur Bestätigung, dass das Risiko von Frauen, die unter unbehandelten Zahnfleischerkrankungen litten, eine Fehlgeburt zu haben oder ein Kind mit Untergewicht zu gebären, deutlich höher lag, als bei zahngesunden Frauen. Bei diesen ließ sich die Gefahr sogar praktisch vernachlässigen.

Wie schwangerere Frauen sich schützen können

Trotz der Forschungsergebnisse lässt sich noch nicht mit letzter Klarheit sagen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen unbehandelten Erkrankungen des Zahnfleisches und dem negativen Geburtsvorgang gibt. Dennoch sehen die Wissenschaftler die Gefahren für das ungeborene Kind durch voranschreitende Zahnfleischerkrankungen als zu hoch an. Aus diesem Grund wird Frauen, die einen Wunsch nach Kindern verspüren, dazu geraten, zur rechten Zeit die Gesundheit ihrer Zähne überprüfen zu lassen. Ergeben sich bei der Untersuchung eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder auch eine Parodontitis (Zahnbettentzündung), sollte unbedingt eine entsprechende Therapie erfolgen. Die Behandlung erfordert jedoch einige Zeit, sodass Geduld angebracht ist. Nach Auffassung von Oberarzt Matthias Folwaczny kann sich die Behandlung über mehrere Monate hinziehen, was letztlich vom jeweiligen Erkrankungsstadium abhängt. Aus diesem Grund empfiehlt der Mediziner Frauen mit Kinderwunsch, bereits ein Jahr vor einer Schwangerschaft eine zahnmedizinische Behandlung vornehmen zu lassen.

Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt

Stellt sich heraus, dass eine Frau schwanger ist, muss automatisch der Gang zum Zahnarzt erfolgen. Diagnostiziert der Zahnmediziner eine Erkrankung des Zahnfleisches, leitet er eine entsprechende Behandlung ein. Im Falle einer Parodontitis ist prinzipiell sogar eine Therapie während der Schwangerschaft möglich. Als idealer Zeitpunkt für eine Zahnfleischbehandlung bietet sich der 2. Trimenons an. Dabei handelt es sich um den Anfang des 4. Schwangerschaftsmonats (SSW).